Liebe Leserinnen und Leser,
Spike genießt gerade seine Sommerferien, deshalb kommt er in dieser Geschichte nicht vor.
Die Geschichte widme ich der Person, mit der ich letztes Jahr eine wunderschöne Ferienwoche im Norden verbracht habe.
Viel Spaß beim Lesen und auch viele sommerliche Grüße von Spike.
Liebe Grüße von der Autorin
Das
Wiedersehen
Die
ausgeblichene Markise spendete Schatten. An einem der kleinen Tische darunter
saß Maren und tupfte sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn.
„Einen
Cappuccino, bitte“, sie lächelte den Kellner mit dem weißen Hemd freundlich an.
„Kommt
sofort.“
Sie konnte es
kaum glauben, dass sie nach so vielen Jahren wieder an diesem Ort war. Selbst
in der Einkaufsstraße der Kleinstadt an der Nordsee roch die Luft salzig. Sie
dachte an die Nachricht, die sie vor einigen Wochen über Social Media erreicht
hatte. Eine kleine unscheinbare Nachricht von Robert, den sie damals bei der
Radtour mit ihrer Freundin Inga kennengelernt hatte. Mittlerweile lebte Inga im
Ausland und der Kontakt war abgebrochen. Unterschiedliche Leben forderten manchmal
den Preis einer einst engen Freundschaft.
Maren und
Robert hatten seinerzeit im Außenbereich der Jugendherberge mit
Tischtennisplatte und Bank verstohlene Blicke getauscht. Dieser Ort war der
abendliche Treffpunkt der Jugendlichen gewesen, die in der Jugendherberge ihre
Ferien verbrachten. Maren grinste bei dem Gedanken. Abends gab es zum
Abendessen den berüchtigten Früchtetee aus riesigen Metallkannen. Sie konnte
sich genau an den leicht metallischen Geschmack erinnern, genauso wie an das Geschirrklappern
und das Stimmengewirr im großen Speiseraum. Profis unter den Jugendlichen hatten
Nussnougatcreme von zu Hause mitgebracht, um die geschmackneutralen
Käsescheiben zu vermeiden.
Es war ein
warmer Sommer gewesen. Inga hatte wie immer beim Tischtennis und in allen
anderen Lebenslagen alles im Griff. Sie schlug die besten Bälle, hatte die
passenden Sprüche auf Lager und angesagte Klamotten, die ihre tolle Figur in
Szene setzten. Maren konnte in keinem dieser Bereiche mithalten. Robert war
ebenfalls mit einem Freund unterwegs. Robert, Markus, Inga und sie bildeten ein
Kleeblatt in dieser Ferienwoche und verbrachten viel Zeit miteinander. Manchmal
hatte sich Maren gewundert, warum Robert statt Inga sie anschaute und dann
schnell wieder wegsah.
An einem
Abend hatten sich Inga und Markus beim Tischtennis festgebissen und waren wie
im Bälle-Rausch. Markus fragte Maren leise, ob sie Lust hätte, noch eine kleine
Runde am Strand spazieren zu gehen. Maren war ein bisschen rot geworden und
hatte genickt.
„Hey, ihr
beiden“, hatte Robert den beiden Sportskanonen zugerufen „Maren und ich gehen
noch eine Runde ans Wasser.“
Inga
unterbrach das Spiel für einen Moment: „Okay, bis später.“ Darauf folgte eine
perfekte angeschnittene Angabe von ihr, die Markus nicht zurückschlagen konnte.
Das Klicken
der Tischtennisbälle wurde leiser. Robert und Maren erklommen die kleine
Betontreppe zur Deichkrone. Wollige Schafe grasten dort, Meeresrauschen war zu
hören. Auf der anderen Seite des Deiches öffnete sich eine andere Welt, fernab
von metallisch schmeckendem Tee, Rundlauf und knarrenden Stockbetten. Es war
gerade Flut und die beiden liefen barfuß durch das flache Wasser. Sie redeten
wenig, ab und zu hob Maren eine Muschel auf. Robert betrachtete Maren von der
Seite.
„Wollen wir
uns schreiben, wenn wir wieder zu Hause sind?“
Maren war von
Roberts Frage überrascht, aber sie freute sich darüber. „Gerne, ich schreibe
dir nachher meine Adresse auf.“
So war es
dann auch passiert. Sie hatten nach den Sommerferien drei Jahre lang Briefe
geschrieben. Schulabschluss, Ausbildung, Studium hatten dann viel Raum
eingenommen und die Briefe blieben irgendwann aus. Bis vor einigen Wochen, als
Maren diese besagte Nachricht von Robert erhielt, dieses Mal digital.
Hallo Maren, beim Aufräumen habe ich
unsere alten Briefe und ein paar Fotos von den Ferien an Nordsee gefunden. Wie
geht es dir? Liebe Grüße von Robert
Einige Wochen,
Nachrichten und Telefonate später saß sie vor der Tasse Cappuccino und wollte
sich gleich mit Robert treffen. Natürlich bei der Jugendherberge, wo auch
sonst. Ihr Herz klopfte und sie freute sich. Sie wollten spazieren gehen und
abends etwas essen. Maren hatte sich dieses Wochenende in einer Pension in dem
Städtchen eingemietet, er wohnte mittlerweile in der Nähe. Anscheinend hatte es
ihm die herbe Schönheit dieser Landschaft angetan.
Maren
erreichte nach dem Eisdielenabstecher das Gelände der Jugendherberge. Die
Tischtennisplatte war verwaist und Moos war an einigen Stellen zu sehen. Zwei
Kids saßen stumm auf ihrer Bank und
blickten auf Smartphones. Dann hielt ein frisch geputztes dunkelblaues Auto in
der Parkbucht am Deich. Marens Puls schnellte in die Höhe, gleich würde
vermutlich Robert aus diesem Auto aussteigen.
„Hey, Maren,
wie lange ist das alles her?“, Robert gab Maren die Hand und schaute ihr in die
Augen.
„Eine halbe
Ewigkeit.“
„Gehen wir?“
„Ja“,
antwortete sie.
Er reichte ihr die Hand und wieder
stiegen sie die Treppen zur Deichkrone hinauf. Schafe grasten auf dem Deich und
Wellen rollten sanft an den Strand. Es war Flut.
Für H.












